Dunkel, kalt ist es in diesem Moment. Die Sonne ist bereits vor Stunden untergegangen, in der großen Stadt an der Ostseeküste herrscht noch immer geschäftiges Treiben. In wenigen Stunden geht mein Flug zurück nach Berlin, dann lasse ich Stockholm hinter mir und werde um einige Einsichten und Gefühle reicher an den Ort zurückkehren, den ich wohl nie zuvor so sehr als Heimat bezeichnete wie in diesem Moment.
Vor zwei Wochen erst buchte ich den Flug nach Schweden, ich brauchte dringend eine Auszeit. Wie soll es weitergehen mit der Medizin? Auch das neue Semester erwies sich von Beginn an als so langweilig und unmotivierend wie die vorherigen. Meine Leistungen sanken proportional zum Arbeitsaufwan. Wo war meine Motivation hin? Ich steckte mitten im Medizinblues.
Die nötige Ruhe suchte in Stockholm. Für ein verlängertes Wochenende war ich nun hier und was ich fand, war weitaus mehr als nur ruhige Stunden zum Ausspannen und Nachdenken. Diese Stadt ist eigenartig: Das Straßenbild einladend und wunderschön, die Menschen reserviert und unfreundlich.
Gestern traf ich eine Hamburgerin, die einst als Au-Pair auswanderte, hier hängen blieb, nun hier studiert. Nach zwei Jahren Wohnen und Leben in dieser Stadt bezeichnet sie sich als Stockholmerin. Dabei bestätigte sie all das, was ich schon über diese Stadt zu wissen glaubte: Es ist nahezu unmöglich, hier neue Leute kennenzulernen. Stockholmer scheuen sich vor Zugewanderten, wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Man bleibt ein Fremder, was immer man auch versucht. So beschränken sich auch ihre echten Freundschaften auf ein paar deutsche Zugewanderte.
Wir verbrachten einen wunderbaren Tag in dieser schönen Stadt, besuchten Museen, aßen gutes Essen, lachten viel, flirteten noch mehr, kamen uns näher, fuhren händchenhaltend Schlittschuh auf dem traumhaften Kungsträdgården. Doch mehr auch nicht. Mit dem gemeinsamen Abend in einem der vielen Clubs machte sich die Stimmung breit, die diese Stadt bestimmt. Sie war in der Tat eine echte Stockholmerin: scheu gegenüber Fremden, darauf bedacht, niemanden in ihre kleine Welt hineinzulassen.
Hierhin wollte ich also im kommenden Jahr zurückkehren, für ein Jahr in dieses so andere Leben eintauchen und den Kontrast zur Berliner Hektik genießen. Doch will ich das immer noch? Stockholm ist so kalt wie kaum eine andere Stadt, die ich bisher kennenlernte, doch auch optisch so schön wie nur wenige andere Städte.
Eigentlich kam ich hier her, um einen klaren Kopf zu bekommen. Doch stattdessen wurde er mir nur weiter verdreht. Diese Stadt hat mir viel Schönes, aber auch viel Kälte entgegengebracht. Will ich eines Tages hier ebenso hängen bleiben, gefangen in einem Status als Fremder, ebenso scheu und verletzlich wie all die anderen Verrückten in dieser Stadt?
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(Wie gern würde ich sie in Berlin mit der Wärme begrüßen, mit der wir hier Fremde empfangen.)
PS: Wir sahen eine Übersichtsausstellung über zeitgenössische schwedische Kunst, darin wurde ein Videointerview mit einem vor langer Zeit eingewanderten Portugiesen gezeigt. Auch darin wurde klar: Schweden kann seinen Immigranten viel bieten, doch bleiben diese immer Fremde, die auf der Suche nach etwas Bestimmten sind, sich stets zwischen zwei Orten bewegen, nirgends zu Hause, immer auf der Reise sind. Ein trauriges, abschreckendes Interview. Wir sprachen nicht darüber.
Current mood: Auf der Suche nach den Überlebenden der Zombie-Apokalypse
Currently listening to: Jay-Z - Moment of Clarity
Dein süßes Lachen zog sich in kleinen Falten um deine Augen, deren tiefes Braun mich in Windeseile einnahm. Wir sahen uns lange tief in die Augen, doch kein Wort sollte all dem folgen. Lange suchte ich dich anzusprechen, doch ich konnte nicht. Ich kannte dich nicht, hatte nur andere über dich sprechen gehört, fürchtete, dass dies nur eine kurze Episode werden würde. Eines dieser belanglosen Intermezzi, die mehr zurücklassen, als sie mitbringen, die es nicht wert sind, immer und immer wieder eingegangen zu werden.
Du hast noch mit vielen anderen an diesem Abend geflirtet, doch ebenso wie ich bliebst auch du bis zuletzt, warteste ebenso lang wie ich, wann der andere gehen möge. Ich fror fürchterlich, doch wartete solange, bis wir uns mit einem „Tschüs, bis demnächst“ verabschiedeten. Ich hätte dich in all der Zeit davor ansprechen können, hätte mit dir geflirtet, mit dir auf einer Wellenlänge gelegen, Nummern ausgetauscht und dich wiedergesehen. Doch all das trat nicht ein.
Ich bin angeekelt von diesen episodischen Liebeleien, die nur der Verdrängung der vorherigen dienen. Und doch möchte ich doch nur eine Beziehung eingehen, die auf einer festeren Basis aufbaut. I‘m in love with the idea of love. Das ist mein Problem.
Current mood: Kontemplativ
Currently listening to: "I've got a cell phone. I've got a car. I've got a house with a garden. I've got some cash in my wallet. I've got love. I've got hate. [...] You can't have everything. You can't have everything. " - Künstler und Titel unbekannt.
There are certain things about man and life that appear to be ridiculous, irrational or by any means incomprehensible. One tends to get along with such whims rather easily but some are crucial enough to really get worked up over it.
One of these purely human behaviours annoys me quite much. It seems that man is destined to fuck away his pain. And I hate it.
See, it’s always the same procedure: A and B are madly in love, somewhen they break up. A and B are seriously upset for quite a time but after a couple of weeks or sometimes months they seem to slowly get over it and continue with their lives. However, both are left with an emotional scar that hurts like shit. A might constantly think about B and B might push this pain to the back of his mind. Whatever way they choose, they will want to fill the hole in their heart with mere makeweights. A might fuck every girl he meets in the following months and B might run from one short relationship to the other.
Here’s the deal: Both of them will wander earth and constantly stumble through new relationships that they will compare to the one they once together had. Because they both wistfully remember the luck days they shared their following relationships, these will never have the chance to grow until they are equally deep and fulfilling and thus won’t be able to measure up to the distorted memory of the once so happy love. This is why relationship after relationship will be ruined for many years.
It’s annoying and wasting. I don’t get it why it always works this way. It’s not only the people I know or me, even those girls that I get to know suffer from this bloody behaviour. I‘m fed up with it, I don’t want to run in any of these relationships being condemned to failure, I don’t want to fuck random people just to fuck myself and feel better for a day or two. I don’t want this ego trip, I‘m fed up with it.
Current mood: Weary by all means.
Currently listening to: Foals - Spanish Sahara (Deadboy Remix)
Ich habe nicht viele Zimmerpflanzen. Ein Heidekraut, ein Kaktus, ein anderes Gewächs und sonst nur ein Topf Thymian und einen mit Basilikum. Keine Mischung, mit der man Inneneinrichtungspreise gewinnen könnte. Wohl eher eine traurige Komposition heimgärtnerischen Pragmatismus. Dennoch, so schnöd dieses Ensemble auch sein mag, sind sie doch der Spiegel meiner selbst. Geht es mir gut, so wachsen und gedeihen sie, welken und verlieren sie ihre Blätter, so lässt auch der Halter den Kopf hängen.
Mein Basilikum, der einst so kühn an der Fensterscheibe hochsch0ß, geht dieser Tage ein.
Derzeit wächst mir alles über den Kopf. Dabei ist es, so übersichtlich betrachtet, gar nicht so viel, was mich beschäftigt:
- einen Patienten für den Patientenbericht finden und diesen schreiben
- den Vortrag für das Forschungspraktikum nachrecherchieren, schreiben und halten
- die Prüfungsvorbereitung einleiten
- den Umzug planen
- den üblichen Uniaufwand betreiben: Bücher wälzen, Kapitel lesen, später wieder nachlesen
- mit der Planung für das Auslandsjahr abschließen
- Bloggen und Kunst
- die Islandplanung zum Abschluss bringen
- täglich joggen gehen und dem Axiom Mens sana in corpore sano frönen (wollen)
- dem Job nachkommen
- die WM verfolgen
- Zeit mit Freunden verbringen. Naja, derzeit eigentlich nur mit einer einzigen Freundin.
- geordnet nach aufgebrachter Zeit, von wenig bis viel.
Jetzt, wo ich diese Liste einmal schriftlich festgehalten habe, erscheint ihr Ausmaß doch erdrückender als gedacht. Eine Aufgabe für Pragmatiker, für Macher und Workaholics, doch keine Aufgabe, die ich im Handumdrehen bewältigen könnte.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich immer labiler fühle. Meine Belastbarkeit nimmt weiter ab, ich kann mich immer schlechter konzentrieren, schweife immer häufiger ab, bin unruhig, zuweilen gereizt. Ich werde vergesslich, schlafe mehr als sonst und habe einen ständigen, wachsenden Schlafbedarf. Das zehrt. Ungemein.
Wenn da das emotionale Seelenheil wäre… Das ist ohnehin eine andere Kiste.Was im Moment zählt, sind die obigen Dinge. Geordnet von höchstdringlich nach aufschiebbar, von primär nach nachrangig. Wenn alles dieser Tage so kommt, wie ich es mir nun ausmale, dann wird meine einsame Reise durch Island in der Tat die erhoffte Auszeit von Allem sein. Ich brauche einfach Abstand. Abstand von allem, was mich von außen, aber vor allen Dingen vor dem, was mich innerlich fordert.
Es wächst mir alles über den Kopf. Und mein Basilikum gar nicht mehr.
Current mood: Unkraut im Beet.
Currently listening to: Sigur Rós & Steindór Andersen - Hugann seiða svalli frá
It’s not because of the money.
It’s not because of being electronically deaf and mute now.
It’s even not because of all the telephone numbers.
It’s only because of the memories I have lost, the memories that were on record, stored in piles and piles of text messages. Memories of better times, memories of brighter moments.
It was my greatest fear to unnoticeably forget how I enjoyed the time with her. The fear, that somewhen there will be only a subtle notion left of the wonderful felicity that had happened to me. The fear, that somewhen all my memories will fade to grey and thus I will become emotionless regarding the luck and joy I had.
I am deeply drowned in fear.
Current mood: Amnesia has just begun
Currently listening to: Pixies - Where is my mind?
Sorry, but this post is not available in English.
Current mood: Irritiert.
Currently listening to: Alva Noto + Opiate - Opto File 2
Today began the fourth and last week of my research internship. As I already mentioned, I‘ll have to hand in a scientific report of the results of my work – somewhat a little dissertation. Even if I‘ll don’t come to a result I‘ll have to discuss in this paper the why and wherefore, which is even more a pain in the ass. Noone said, research was a leisurely business.
To go the extra mile, the first two weeks – which is half of my internship – are for the birds since all the experiment I did during this time went wrong. Last week wasn’t a gippy tummy either. So this is the mess I have to deal with right now: If everything works like a clockwork this week and if I go to work on saturday, I may have some results.
And here comes the bad news: I‘ll have to hand in the report on monday. Next monday. Which means I‘ll have to write it between saturday evening and monday morning, visit the lab in the early monday morning, get the signature that everything is right and legitimate (of course my mentor will have to read it) and hurry to be at the uni just in time.
Splendid. Noone said, medical school would respect your sleep-wake rhythm.
Current mood: Stressed.
Currently listening to: Benno Blome - Mix January 2010
It seems like the earth spins faster from day to day, I become more and more restless. Right now I have so many ideas on my mind: what art to contemplate, what blog post to write, what to eat for supper, what parties, exhibitions etc. to attend the next weeks. My mind behaves like it was in a manic episode or at least how I suppose this may feel like.
Unfortunately, I have less time on my hands as usual, however, I feel too fickle to actually put any of these ideas into practice. The summer term has just begun, so has my research internship. It’s quite easy-going: Arriving at 9 o‘clock and leaving whenever there isn’t anymore to do which is quite early because all these laboratory procedures take pretty much time. This is basically why this internship is really smooth and relaxed. Anyway, I kind of miss the usual university stuff. You know, being on the campus, meeting friends and actually doing something.
By the way, I got accepted for a student’s job: We offer PBL-courses (Problem Based Learning) for fellow students and I‘m sure it‘ll be a whole lotta fun! I first meet my group on wednesday and I am all excited now!
I still take Swedish lessons. It’s getting more complicated by now, I still don’t get how to find the right form of the past tense. „Jag köpte en liten kanelbullen. Den blev fyrtio kronor femtio. Den var så dyr!“ (Never mind, the meaning is rather pointless.) I think I should start to blog in Swedish somewhen, maybe by the end of this term. Just for practicing purposes, I don’t think any Swedes will read this blog. (If not so, who are you, stranger from the lovely country of yours?)
You see, it’s getting busy this term and to top it all I will attend art history lectures once a week. Splendid.
Current mood: Manic. Amphetamines would definitely kill me right now.
Currently listening to: Akira Yamaoka - Claw finger

