Ich habe nach zweijähriger Pause wieder mit angefangen, Basketball zu spielen. Tolle Sache, dieser Unisport. Für zwölf Euro ein (bzw. das restliche) Semester lang jede Woche anderthalb Stunden nonstop in einer ordentlichen Halle 5 gegen 5 spielen – da kann man nicht meckern.
Naja doch, eigentlich schon. Nach zweijähriger Bewegungslosigkeit ist man naturgemäß ziemlich aus der Puste und spürt wieder Schmerzen in Körperregionen, die man sonst nur aus dem Lehrbuch kennt (Und was mich beunruhigt: anfängliche Angina pectoris, oder das, was ich dafür halte, war auch dabei. Aber herrje, man ist nur einmal jung.)
Und da liegt auch schon der Knackpunkt: Je mehr man lernt, desto mehr vergisst man dann auch wieder. „Hm jetzt hab ich hier Schmerzen im Oberschenkel, in diesem… ja wie heißt der denn… M. quadratus femoris? Ne, der hieß anders… Quadriceps femoris, genau!“ Da wird man sich ganz schnell bewusst, dass man den Namen des vermutlich größten Muskels des menschlichen Körpers vergessen hat.
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Aktuelle Stimmung: Ein wenig frustriert...
Hört gerade: Franco Micalizzi - Lo chiamavano Trinita (Titoli)
Das Semester hat soeben erst angefangen und legt schon richtig los. Der neue Block „Atmung“ beginnt mit dem Fall eines 19-Jährigen, dem mit einer 10cm langen Klinge in den Oberkörper in den Oberkörper gestochen wurde und infolge dessen einen ausgedehnten Hämatothorax ausbildet. Zusätzlich wird ein wahrer Veranstaltungs-Marathon abgehalten, der neben den vielen Partys und Abendveranstaltungen zu Semesterbeginn eine ziemlich turbulente Woche ausfüllt.
Heute dann stand der erste Termin in der Lehrarztpraxis an, jedoch erst einmal nur zum gegenseitigen Kennenlernen. Ich bin vollkommen zufrieden mit der Wahl: Große interdisziplinäre Gemeinschaftspraxis mit buntem Patientenklientel, hervorragender technischer Ausstattung und Kompetenzenverteilung sowie eine tolle Atmosphäre im Team. Achja, und der Wintergarten zur allgemeinen Erholung vom Arbeitsstress sei auch noch erwähnt.
Im Anschluss fuhr ich zum schwedischen Möbelhaus um die Ecke und traf dort zufälligerweise zwei meiner ehemaligen Lehrer beim gemeinsamen Möbelkauf – schon damals munkelte man, dass zwischen den beiden was laufen würde. Der Schrecken war zumindest ihr wahrlich ins Gesicht gemalt, Angst lag in ihrer Stimme, Stress und Anspannung bestimmten ihr Verhalten. Andere würden sagen: „Sie stank nach Furcht“ – aber das wäre ein wenig übertrieben. Offensichtlich hatte sie große Angst, ich könnte irgendetwas ausplaudern. Aber ich glaube, da werde ich im Freundeskreis lieber Stillschweigen bewahren. Schließlich habe ich die beiden immer gemocht.
Unterm Strich: Bis morgen muss ich die Lernziele bearbeitet haben. Durch die vielen Stunden in der Uni und den Umzugsstress wird’s auch langsam Zeit, damit anzufangen…
Aktuelle Stimmung: Immer auf Trab
Hört gerade: Luis E. Bacalov - The Grand Duel (Parte Prima)
Entschuldigt meine kürzliche Schreibflaute, aber bei mir geht es drunter und drüber. Zum einen wäre da der Umzug zu meistern (dessen Vorbereitungen im vollen Gange sind), zum anderen bricht das neue Semester an, sodass letztendlich das Bloggen hier und bei Castor und Pollux auf Sparflamme gestellt bleiben wird.
Dafür wird man ab Donnerstag die Gelegenheit haben, mich einmal wöchentlich bei der regelmäßigen Arbeit als Aushilfsarzt Mädchen für alles Lehrpraktikant erleben zu können. Das Konzept dahinter nennt sich „Praxistag“, eine Pflichtveranstaltung vom zweiten bis fünften Semester, bei der die Studierenden nicht nur einen Blick in die Arbeit eines niedergelassenen Arztes erhalten sollen, sondern auch von Anfang an ihre eigenen Fähigkeiten schulen und neue Fertigkeiten erlernen sollen.
Natürlich wird der Studierende zunächst eine eher beobachtende Rolle einnehmen, doch im Laufe der Zeit auch selbstständig Anamnesen (Patientengespräche) erheben, vor Ort durchführbare Untersuchungen vornehmen und auch Rezepte ausfüllen – natürlich nur unter Aufsicht bzw. in Rücksprache mit dem Lehrarzt.
Wer also in den Genuss kommen will, sich wegen seines anhaltenden Hustens von mir abhören und krankschreiben lassen will, der komme immer donnerstags in eine ganz bestimmte Hausarztpraxis nach 12107 Berlin – denn dort wurde ich für das kommende Jahr eingeteilt.
Aktuelle Stimmung: On the run
Hört gerade: Crystal Castles - Air war
Neulich hatte ich eine angeregte, aber leider viel zu kurze Diskussion über Philosophie und Physik, Räumlichkeit und Wahrnehmung. Letztlich war diese jedoch der Anstoß, um noch einmal genau über die Definition des mathematischen Begriffs der „Dimension“ nachzudenken und eine stark vereinfachte und daher verständliche Anleitung zum Explorieren einer beliebigen räumlichen Dimension zu verinnerlichen. Ich will einmal meine Gedanken aufschreiben:

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Aktuelle Stimmung: Schwer beschäftigt
Hört gerade: The Kinks - Sunny afternoon
Verweste Leiche wird nach Tagen auf Toilette des Berliner Virchow-Klinikums aufgefunden
Irgendwie schäme ich jetzt. Das Virchow-Klinikum ist einer der Standorte der Charité, dem vielgerühmten Stern der europäischen Medizin. Also Teil der Uni, an der ich studiere.
Und natürlich auch ein Lehrkrankenhaus. Wir hatten dort schon öfter Lehrveranstaltungen, ebenfalls in der Nephrologie, aber auf der Nachbarstation, dem Intensivmedizinischen Bereich. Die Klinik hat eine sehr schöne Architektur, eine moderne Einrichtung, ein gepflegtes Gelände. Nur scheinbar können da die Toiletten nicht so sehr mithalten.
Ich glaube, es wäre mir nicht so peinlich, wenn nicht in allen Berichten zu dem Vorfall immer dazu gesagt würde, dass es sich um die Charité handelt. „Virchow-Klinikum“ würde ja reichen, das wäre nicht ganz so schlimm.
Aber so… Schamesröte schießt mir ins Gesicht…
Aktuelle Stimmung: Müde. Ich leg mich hin.
Hört gerade: Lykke Li - Dance, dance, dance (Ich könnt's auf und ab hören.)
Ein Blick in die Statistik auf das EKG des Blogs offenbart Übles:
- P-Wellen erfolgen erst nach QRS-Komplexen, unregelmäßiger Rhythmus (durchschnittlich 41/Jahr)
- breite QRS-Komplexe
- aszendierende ST-Strecken mit flachen, kaum abgrenzbaren T-Wellen, da Überlagerung durch P-Wellen
- (oder mit anderen Worten: sieht sehr exotisch aus)
Befund: Verdacht auf antidrome Tachyarrhythmie
Weiteres Procedere: Absicherung per 12-Kanal-EKG und ggf. Mapping, bei Befundbestätigung Katheterablation, Entlassung in fünf Tagen
(oder mit anderen Worten: Exotische Krankheiten erfordern exotische Therapiepläne, aber immerhin sind wir den Patienten bald los.)

Das kann halt passieren, wenn man so langsam den Blick für’s Normale verliert…
Aktuelle Stimmung: Tunnelblick
Hört gerade: Grum - Heartbeats
Ich war gestern in der Akademie der Künste, „Embedded Art“ hieß die Ausstellung. Dort ging es um die künstlerische Verarbeitung der verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Zeiten des Terrors. Um allgegenwärtige Überwachung, den Einsatz neuer Waffen in der in- und ausländischen Terrorabwehr, um Journalismus in Krisenregionen. Eine tolle Ausstellung. Ein wenig morbide und verstörend zwar, aber durchweg gelungen.
Heute dann hieß es für mich um halb sechs aufstehen, denn schließlich wollte ich um kurz vor halb acht in der Stadtmitte sein. 7:30 war Nachbesprechung. Vier Ärzte, vier Famulanten und ich.
Am gestrigen Abend wurden noch drei Personen aufgenommen, in der Nacht festgestellt, was ihnen fehlte. Alles Routine. Dann ging es in die Umkleide, grüne OP-Kleidung ist schleßlich Pflicht. Wo ich mich denn dann einfinden müsse? Immer der Nase lang, wirst du schon finden.
Dann trat ich in die Tür ein, stand still. Vor mir fünf Tische. An jedem Tisch ein Arzt und ein Assistent. Vor ihnen jeweils eine Leiche. Die Schädel waren eröffnet, innere Organe teilweise schon entnommen.
So begann mein Tag im Institut für Rechtsmedizin. Insgesamt zwölf Sektionen sollten heute durchgeführt werden. Fließbandarbeit, alles Routine. Ob grün, ob rot, ob schwarz, ob weiß – egal, wir müssen die Todesursache ermitteln.
Es war in jedem Falle ein sehr interessanter und lehrreicher Tag. Weder wurde mir schlecht, noch schwummrig, noch bin ich umgekippt. Anfangs habe ich mir zwar manches lieber aus der sicheren Entfernung angeschaut, aber dann war ich voll dabei. Ich hätte zwar nur vier Stunden bleiben brauchen, habe aber einen vollen Tag draus gemacht. Man lernt dabei sehr viel. So auch, dass es in der Rechtsmedizin gewiss nicht zimperlich zugeht. Es ist halt Akkordarbeit. Und Schmerzen hat eh keiner mehr.
Jetzt bin ich wieder daheim. Eigentlich wollte ich für Castor & Pollux ein Thema für einen neuen Artikel suchen, aber seltsamerweise finde ich überall nur Bilder von nackten Körpern, Tierkadavern, Rinderzungen und ganzen Schweinehälften. Alles im Namen der Kunst. Aber irgendwie bleiben die Gedanken doch im Sektionssaal, obwohl es gar nicht so schlimm war.
Aktuelle Stimmung: Trotz dieses spannenden Tages große Besorgnis
Hört gerade: Stille. Stummschaltung, wo es nur geht.
Soeben läuft bei stern TV ein sehenswerter Beitrag zu den Gefahren von Internetdatingbörsen. Dazu hat sich der Reporter u.a. bei studiVZ unter falschem Namen und falschen Angaben angemeldet, um zu sehen, wie leichtfertig deutsche Frauen sich mit absolut fremden Menschen verabreden – Hintergrund ist der echte Fall eines zweifachen Mörders, der mit dieser Masche seine Opfer fand.
Der Spaß: Der Reporter meldete sich als „Johannes Sisko“ an (man muss eingeloggt sein, um das Profil sehen zu können), was man auch kurz im Beitrag bei stern TV sehen konnte. Wie ich also so bin, hab ich gleich nach dem Johannes gesucht. Und gefunden. Zwei Einträge auf seiner Pinnwand.
Und dann nach einer Minute: Schon mehr als hundert Einträge von stern-TV-Zuschauern… Schon amüsant.
PS: Auch ein „Adrian Lehnhof“, Lockvogel der selben Sendung, erlebte einen ähnlich seltsamen Hype…
Aktuelle Stimmung: kommt aus dem Grinsen nicht mehr raus...
Hört gerade: stern TV
