Verweste Leiche wird nach Tagen auf Toilette des Berliner Virchow-Klinikums aufgefunden

Irgendwie schäme ich jetzt. Das Virchow-Klinikum ist einer der Standorte der Charité, dem vielgerühmten Stern der europäischen Medizin. Also Teil der Uni, an der ich studiere.

Und natürlich auch ein Lehrkrankenhaus. Wir hatten dort schon öfter Lehrveranstaltungen, ebenfalls in der Nephrologie, aber auf der Nachbarstation, dem Intensivmedizinischen Bereich. Die Klinik hat eine sehr schöne Architektur, eine moderne Einrichtung, ein gepflegtes Gelände. Nur scheinbar können da die Toiletten nicht so sehr mithalten.

Ich glaube, es wäre mir nicht so peinlich, wenn nicht in allen Berichten zu dem Vorfall immer dazu gesagt würde, dass es sich um die Charité handelt. „Virchow-Klinikum“ würde ja reichen, das wäre nicht ganz so schlimm.

Aber so… Schamesröte schießt mir ins Gesicht…


Current mood: Müde. Ich leg mich hin.
Currently listening to: Lykke Li - Dance, dance, dance (Ich könnt's auf und ab hören.)




07.03.2009

EKG
(Größeres Bild)

Ein Blick in die Statistik auf das EKG des Blogs offenbart Übles:

  • P-Wellen erfolgen erst nach QRS-Komplexen, unregelmäßiger Rhythmus (durchschnittlich 41/Jahr)
  • breite QRS-Komplexe
  • aszendierende ST-Strecken mit flachen, kaum abgrenzbaren T-Wellen, da Überlagerung durch P-Wellen
  • (oder mit anderen Worten: sieht sehr exotisch aus)

Befund: Verdacht auf antidrome Tachyarrhythmie
Weiteres Procedere: Absicherung per 12-Kanal-EKG und ggf. Mapping, bei Befundbestätigung Katheterablation, Entlassung in fünf Tagen

(oder mit anderen Worten: Exotische Krankheiten erfordern exotische Therapiepläne, aber immerhin sind wir den Patienten bald los.)

Das kann halt passieren, wenn man so langsam den Blick für’s Normale verliert…


Current mood: Tunnelblick
Currently listening to: Grum - Heartbeats




05.03.2009

Ich war gestern in der Akademie der Künste, „Embedded Art“ hieß die Ausstellung. Dort ging es um die künstlerische Verarbeitung der verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Zeiten des Terrors. Um allgegenwärtige Überwachung, den Einsatz neuer Waffen in der in- und ausländischen Terrorabwehr, um Journalismus in Krisenregionen. Eine tolle Ausstellung. Ein wenig morbide und verstörend zwar, aber durchweg gelungen.

Heute dann hieß es für mich um halb sechs aufstehen, denn schließlich wollte ich um kurz vor halb acht in der Stadtmitte sein. 7:30 war Nachbesprechung. Vier Ärzte, vier Famulanten und ich.
Am gestrigen Abend wurden noch drei Personen aufgenommen, in der Nacht festgestellt, was ihnen fehlte. Alles Routine. Dann ging es in die Umkleide, grüne OP-Kleidung ist schleßlich Pflicht. Wo ich mich denn dann einfinden müsse? Immer der Nase lang, wirst du schon finden.

Dann trat ich in die Tür ein, stand still. Vor mir fünf Tische. An jedem Tisch ein Arzt und ein Assistent. Vor ihnen jeweils eine Leiche. Die Schädel waren eröffnet, innere Organe teilweise schon entnommen.

So begann mein Tag im Institut für Rechtsmedizin. Insgesamt zwölf Sektionen sollten heute durchgeführt werden. Fließbandarbeit, alles Routine. Ob grün, ob rot, ob schwarz, ob weiß – egal, wir müssen die Todesursache ermitteln.

Es war in jedem Falle ein sehr interessanter und lehrreicher Tag. Weder wurde mir schlecht, noch schwummrig, noch bin ich umgekippt. Anfangs habe ich mir zwar manches lieber aus der sicheren Entfernung angeschaut, aber dann war ich voll dabei. Ich hätte zwar nur vier Stunden bleiben brauchen, habe aber einen vollen Tag draus gemacht. Man lernt dabei sehr viel. So auch, dass es in der Rechtsmedizin gewiss nicht zimperlich zugeht. Es ist halt Akkordarbeit. Und Schmerzen hat eh keiner mehr.

Jetzt bin ich wieder daheim. Eigentlich wollte ich für Castor & Pollux ein Thema für einen neuen Artikel suchen, aber seltsamerweise finde ich überall nur Bilder von nackten Körpern, Tierkadavern, Rinderzungen und ganzen Schweinehälften. Alles im Namen der Kunst. Aber irgendwie bleiben die Gedanken doch im Sektionssaal, obwohl es gar nicht so schlimm war.


Current mood: Trotz dieses spannenden Tages große Besorgnis
Currently listening to: Stille. Stummschaltung, wo es nur geht.