22.08.2009

[…]

How happy is the blameless vestal’s lot!
The world forgetting, by the world forgot.
Eternal sunshine of the spotless mind!
Each pray‘r accepted, and each wish resign‘d.

So liest man’s bei Alexander Pope.
Es ist schon ein wenig seltsam, in letzter Konsequenz aber absolut schlüssig, dass sich bei mir in den letzten Wochen und Monaten vieles ums Vergessen dreht. Dabei geschieht dies oftmals nicht einmal bewusst, und das ist das seltsame Moment an der ganzen Sache.
Auf meinem Nachttisch liegt Oliver Sacks Kuriositätensammlung über Amnesien und andere neurologische Störungen, im DVD-Player rotierte zuletzt ein stimmungsreicher Film über die willentliche Auslöschung des Gedächtnis an zuvor geliebte Personen. Und wer bei Castor & Pollux mitliest, wird vielleicht schon bemerkt haben, dass mich auch dort Kunstwerke beschäftigen, die in diesem Themenkomplex angesiedelt sind, selbst wenn mir das gar nicht so bewusst war.

Eigenartige Sache, das. Die unterbewusste Suche nach Konfliktbewältigung? Was wohl Freud dazu gesagt hätte.
Dabei gibt es genug Erinnerungen, die ich gern vergessen würde, andere, um deren Erhalt ich kämpfe. So etwa aus der Zivildienstzeit. Es war wahrlich keine Freude, einsame Menschen buchstäblich beim Sterben zu begleiten, ihre Hände zu halten und den Puls langsam ausstreichen zu fühlen. Zwar sind ihre Namen längst in Vergessenheit geraten, doch die Erinnerung an ihre Schicksale sind noch so lebendig wie damals. Wenn diese Gedanken heute noch aufblitzen, dann verstehe ich mehr und mehr, dass ich damals unter dieser Last nicht unversehrt bleiben konnte. Unfähig, den anderen Anforderungen des Alltags gerecht zu werden, ein gesundes Sozialleben aufrecht zu erhalten, wenn um einen herum alle sterben.

Was täte ich dafür, all dies ungeschehen zu machen! Ein eitler Wunsch zwar, aber so ist der Mensch. Manchmal frage ich mich doch heimlich, was wohl gewesen wäre, wenn ich diese Stelle nicht angenommen hätte.
Es gibt aber auch erfreuliche Erinnerungen, die, so fürchte ich, allmählich verblassen. Tage in Berlin, auch ein paar Tage in Rostock, die ich nicht missen möchte. Dinge, über die ich sonst nichts weiter schreiben wollte.

Schon eigenartig, wenn man bemerkt, dass die letzten Monate doch ganz im Zeichen des Vergessens standen. Schon seltsam, dass ich das alles schreibe, wo im Hintergrund unbemerkt der Soundtrack jenes stimmungsreichen Films spielt.


Current mood: Melancholie? Ich weiß es nicht.
Currently listening to: Jon Brion - Phone call




20.08.2009

Als ich noch ein kleiner Steppke war (wieso „war“?), hatte ich ein recht romantisches Verhältnis zu dem, was ich mir unter „Wissenschaft“ vorstellte. Da bin ich noch alle Nase lang in die Bibliothek gegangen und habe mir haufenweise Bücher zu ägyptologischen, archäologischen, physikalischen und medizinischen Themen ausgeliehen, um dann von einer Zukunft zu träumen, die sich – dank der Lektüre – mehr an der eingestaubten Vergangenheit orientierte denn an der Realität: Ich wollte Wissenschaftler werden. Oder sowas in der Art jedenfalls. Nur wusste ich da noch nicht so ganz, dass es in unserer heutigen Zeit eher unwahrscheinlich ist, einer dieser universellen, interdisziplinären Wissenschaftler zu werden, wie man sie seit Entdeckung der Elektrizität nicht mehr gesehen hat. Egal, für mich stand dennoch fest, dass ich irgendwann einmal den ganzen Tag lang nur das machen würde, was ich eh schon tat, nämlich Fragen stellen und alles infrage stellen. Und weil man sich ja weiterentwickeln will, sah diese Berufsvorstellung auch vor, dass ich die passenden Antworten auch gleich auf eigene Faust finden würde. Ein universeller, interdisziplinärer Wissenschaftler halt. Zumindest in meiner blumigen Phantasie.

Seitdem haben sich meine Zukunftspläne nicht nur einmal um hundertachtzig Grad gedreht, zwischenzeitlich waren Themen wie Rechtsmedizin, höhere Mathematik, Quantenphysik, Schriftstellerei und natürlich auch der obligatorische Journalismus ganz groß im Rennen, bis zuletzt die große Kunst der Medizin meine Träume eroberte und bisher noch nicht gewichen ist. Ich will auch nicht weiter unken.

Mittlerweile gebe ich mich also schon eine ganze Weile der Erforschung der Heilkunst hin, stehe aber in Hinblick auf die Regelstudienzeit noch am Anfang des Studiums. Und doch bleiben die alten Träume lebendig, was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass ich in Pi mal Daumen acht Monaten erstmals die Höhenluft der medizinischen Forschung schnuppern werde. Als Teil des Curriculums. Das sieht nämlich ein vierwöchiges Blockpraktikum in uni-eigenen Forschungsgruppen vor, kein Kaffeekochen und keine Datenbankpflege, sondern „so richtig“ im Labor bzw. am Patienten/Studienteilnehmer. Je nach eigener Präferenz.

Wer möchte, kann aus seinem Projekt auch eine Promotionsarbeit oder die Vorarbeit für eine solche entwickeln. Klingt gut, aber damit wollte ich noch ein wenig warten. Nicht, dass ich mich irgendeines Berufsethos wegen dazu verpflichtet fühlte, aber so ein Dr. vor dem Namen und die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse sind doch schon eine feine Sache.

Weil bekanntlich meine Geduld häufiger mal in nicht nachweisbaren Größenordnungen verweilt, habe ich mir auch mal den Promotionsthemenkatalog angeschaut. Bisher war mein Steckenpferd ja die Kardiologie, seit kurzem wird auch die Onkologie trotz traumatischer Zivierfahrungen wieder zunehmends interessanter. Beide Kliniken hatten allerdings nichts ausgeschrieben. Dafür werden aber derzeit Promovenden für die Suche nach Tumormarkern bei Mammakarzinom gesucht. Klingt sehr spannend und interessant, aber das hieße ja dann, dass ich mich quasi schon für die gynäkologische Laufbahn entscheiden müsste. Ne, dann lieber nicht…

Zum Glück sind diese Gedankenspiele noch harmloser Natur und ich muss/kann mich erst in einem halben Jahr für ein Forschungsthema entscheiden. Vielleicht bald „Drs. EarlMobile“?


Current mood: Spannung, Spannung, Spannung.
Currently listening to: Midfield General - Love thy self (Arveene & Misk Remix)




13.08.2009

Wo die Prüfungen nun nicht nur vorbei, sondern auch bestanden sind, sollte es Zeit für ein wenig Ferien sein. Drei Monate reichen doch, oder? Ja? Ich bin dann Mitte Oktober wieder da, in Ordnung?

Viel Zeit für dies und das, aber nebenbei muss ich doch noch was für die Uni machen. Ein Haken ist immer dabei. Gut, die Vorbereitung für die Orientierungseinheit für die kommenden Ersties macht auch jede Menge Spaß; meine Aufgabe ist es, das Blockbuch mit allen wichtigen Infos zu füllen und gut aussehen zu lassen und während der OE als Mentor für die Ersties zu dienen. Mach ich alles gern.

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Current mood: Kreative Melancholie ohne sich schlecht zu fühlen - ein bisher unbekanntes Gefühl, aber es darf gern öfter kommen.
Currently listening to: Beck - Everybody's gotta learn sometimes (Eternal sunshines of the spotless mind OST)