Gestern fand die Abschlussparty der sog. „Orientierungseinheit“ statt, zwei Infowochen für die neuen Ersties, vollgepackt mit Veranstaltungen, Aufklärungen und Meet‘n'Greet. Wie üblich haben die Drittsemester (also auch ich) diese zwei Wochen und das ganze Drumherum organisiert. Meine Aufgabe war es, das zugehörige Blockbuch zu designen, als Mentor zu fungieren und bei der gestrigen Grillparty ein paar Schichten einzulegen.
Als ich heute aufwachte, schmerzte mein linker Os capitatum (einer der Handwurzelknochen), zudem war ein diffuses Hämatom des proximalen Handtellers zu erkennen – offensichtlich war meine linke Hand geprellt oder sogar gebrochen.
Ich hatte also die Erkrankung entdeckt, die man nun als Barkeeper-Syndrom, Morbus aperiores butticulae, kennt. Für weitere Details, siehe in Zukunft erscheinende Studien. So viel kann ich aber schon bekanntgeben:
Für ein paar Stunden Grillmeister und Barkeeper zu sein, heißt auch, für die durstigen Gäste eine erkleckliche Anzahl Bierflaschen zu öffnen. Mangels eines Flaschenöffners musste ich dzu den Tisch und meine bloßen Hände einsetzen. Ja, genau: den Kronkorken an der Tischkante ansetzen und – KNICK-KNACK – mit der Hand den Rest erledigen. Offensichtlich machten mit der Zeit auch meine Handwurzelknochen Knick-Knack.
Aber hey, immerhin könnte ich dadurch ein Thema für eine zukünftige Doktorarbeit gefunden haben…
Current mood: Tired.
Currently listening to: The Beatles - Across the universe (oh yeah, that super cool song of one of the coolest bands of all time)
Morgen werde ich 22 Jahre alt. Nichts spektakuläres. Um diesen Tag zu „feiern“, werde ich mich an meine To-Do-Liste halten. Die Mission ist erfüllt, wenn wenigstens drei der folgenden Aufgaben erledigt wurden:
- den Tag mit einem großen Stück selbstgemachten Zitronenkuchen beginnen
- eine extra-große Portion der neusten exotischen Eis-Sorte in dieser 50er-American-Diner-Style Eisdiele bestellen
- „Hawaii Five-O“ (The Ventures) und „Kokomo“ (The Beach Boys) auf meiner geliebten, doch leider vernachlässigten Gitarre spielen lernen
- einen ganzen Polaroidfilm mit Fotos von Fremden füllen, die ich gerade erst in der Stadt kennengelernt habe
- meinen Bart Stück für Stück so rasieren, dass dabei verschiedene Schnitte herauskommen (die dann natürlich fotografisch festgehalten werden)
- meinen MP3-Player mit jeder Menge Hawaii- und Feel-Good-Musik füllen und überall hin mitnehmen
- wann immer möglich, Spongebob und Patrick zitieren; wann immer nützlich, Zaubersprüche von Harry Potter aufsagen
- für den zukünftigen Gebrauch einen Schnurrbart („Moustache“ ist einfach das bessere Wort) aus Pappe basteln
- nicht weniger als fünf Fremde in Anstarr-Wettbewerbe verwickeln
- den Tag mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ in Dauerschleife beenden
- den Tag mit einem Party- und Clubmarathon beenden
Ahhh, das wird ein Spaß!
Current mood: Excited
Currently listening to: The Beach Boys - Sloop John B
Was ich an diesen Läden mag
Bei H&M, Zara oder Jack Jones einzukaufen, heißt für mich, Kleidung zu bekommen, die preiswert ist und ohne großen Schnickschnack auskommt. Wo sind nur all die Socken hin? Wo bekomme ich einen einfachen, schwarzen Pullover her? Mist, mein Gürtel ist auseinander gefallen, wo bekomme ich nur so schnell einen neuen her? Diese Geschäfte haben und verkaufen die Antwort. Das ist schließlich, wofür sie gut sind. Man muss schon zugeben, dass es keinen besseren Ort für solche grundlegenden Bedürfnisse gibt. Das ist zwar ein recht geringer Anspruch, den diese Ketten für mich erfüllen, aber ich glaube, H&M & Co. nehmen mir das auch nicht übel.
Doch dafür gibt es Gründe, um genau zu sein, liegen diese darin
Was ich an diesen Länden nicht mag
Zunächst muss ich sagen, dass ich, obwohl ich diese Läden nicht allzu oft besuche, meist erkennen kann, wenn jemand ein Teil trägt, dass von diesen Firmen stammt. Das liegt, wie ich denke, daran, das die meisten ihrer T-Shirts, Hemden, Mäntel etc. ein Griff ins Klo sind. Natürlich ist das Meinungssache. Aber keine Sache des guten Stils.
Es gibt da aber noch eine andere Sache, die mich von Zeit zu Zeit ärgert. Ich möchte nicht überheblich oder arrogant rüberkommen, aber das Problem stellt einfach nur dar, wie die Modeindustrie funktioniert. Möglicherweise kennst du Lookbook und andere, ein paar größere und kleinere Modeblogs oder all die anderen Medien, die so etwas wie die derzeitigen Styles aufzeichnen, die sich in den Städten und Ländern der ganzen Welt entwickeln. Das Internet nimmt dabei eine zentrale Rolle ein und kann sogar Trends aufspüren, die so frisch sind, dass nur einige wenige bisher daran teilhaben. Ich spreche dabei von Kleidungsstücken, die man in der nächsten H&M- oder Zara-Filiale kaufen kann, die man selbst entdecken muss und dann zu entscheiden hat, ob sie zu einem passen oder nicht. Viele Leute entwickeln mit viel Freude und Elan ihren eigenen Sinn, was Stil angeht, weiter und bewegen sich dabei jenseits der Sortimente, die für Tausende und Millionen entwickelt wurden. Es ist Teil ihres Lifestyles, permament und vollkommen frei ihre Vorstellung von gutem Stil zu modellieren. Ich würde mich als einer von ihnen sehen und teile damit auch dasselbe Problem.
Ein Beispiel: Vor etwa zwei Jahren kaufte ich eine grüne Uniform mit Messingknöpfen, weil ich sei einfach mochte und sie zu meinem persönlichen Stil passte. Das war, als gerade der Trend aufkam, obgleich er größtenteils von Frauen vorangetrieben wurde. Ich liebte meine Jacke wie andere ihre Jacken auch lieben, wie auch immer sie aussehen mögen, und damit war alles in bester Ordnund. Dann jedoch, vor etwa zwei Monaten, hatten auch Zara und ein wenig später auch H&M diese hübschen Uniformen entdeckt und ihre eingenen entworfen um sie in der ganzen Welt zu vertreiben. Eigentlich sehen deren Versionen mehr nach der Sorte Old-School-Marschkapelle aus, aber immer noch irgendwie militärisch. Ich hätte damit absolut kein Problem, wenn das nicht heißen würde, dass man nun die Leute mit diesen (übrigens grausig aussehenden) Uniformen herumlaufen sieht, nur weil sie „soooo cool“ aussehen. Heute stand ich bei H&M in der Schlange und da war dieses junge Mädchen, vielleicht 13 Jahre alt, dicklich, mit Palästinensertuch, Ska-Style Vans, eng anliegenden schwarzen Jeans, die eine dieser Uniformen gekauft hat. Schön, dass sie sich über ihr neustes Fundstück gefreut hat, doch eigentlich passte es nicht zu ihrem Stil. Weil sie einfach keinen hatte.
Es ist traurig, dass so viele Leute einfach nur den Trends hinterherlaufen, die die großen Modeketten mit mehr als einem Jahr Verspätung ausgraben und nicht mal darüber nachdenken, wie alles im Zusammenspiel aussieht. Wenn man einmal nach Italien, Frankreich oder Schweden geht, wird man viel mehr Leute sehen, die ihren eigenen Stil gefunden haben. Egal, ob man irgendetwas davon tragen würde, was man dort so sehen kann, muss man doch zugeben, dass es harmonisiert.
Vielleicht ist dieser Artikel auch totaler Bullshit, aber wie auch immer, ich kann mir nur heimlich wünschen, dass die Deutschen irgendwann anspruchsvoller und einfallsreicher werden, wenn es um Mode geht. Wenigstens, damit ich mich nicht irgendwann ärgere, dass ich in während der Ferien so viel Geld für Klamotten in den Sand gesetzt habe…
Current mood: Head-shaking.
Currently listening to: Junior Boys - Work (Prins Thomas Remix)
Heute begann der einwöchige Präparationskurs, den ich bereits erwähnte. Da wir Studenten des Reformstudiengangs normalerweise nicht dieses Angebot haben, haben sich einige Freiwillige zu diesem Ferienkurs angemeldet. Dieses Jahr bin ich einer von ihnen, etwa zwanzig eifrige Studenten, die die Leichen so weit es geht freipräparieren wollen. Wir hatten drei Präparate für uns, meine Freunde und ich entschieden uns für die einzige unversehrte Leiche. Wie es sich bald zeigte, bekamen wir damit eine massiv übergewichtige Asiatin, die, als sie starb, immerhin frischen, pinken Nagellack an den Fingern hatte. Ich fand es bemerkenswert, dass das einzige, dass ihren Tod und die komplizierte Prozedur der Körperfixierung überstand, ihr Nagellack war. Stets modisch und chic sein. Wie auch immer, wir mussten ihre hübsche Finger dennoch häuten.
Aber eins nach dem anderen. Unsere erste Aufgabe war es, die Haut von ihrem Bauch, ihrem Oberkörper, ihren Armen sowie die Brüste zu entfernen um die kleinen Nerven, Gefäße und schließlich die Faszie zu finden. Selbstverständlich kam mir die Aufgabe zu, all das Bauchfett zu entfernen. Jeder, der schon einmal eine übergewichtige Leiche präpariert hat, wird zustimmen können, dass dieses Unterfangen recht… spritzig werden kann. Wie auch immer, nachdem ich also etwa acht Zentimeter Unterhautfett entfernt hatte, widmete ich mich den Händen und Fingern, entfernte die Haut musste zum Schluss auch noch all die winzigen Nerven darstellen.
Morgen wird er Brustkorb eröffnet und ich freue mich schon, mit diesem Gerät, dass wie ein Bolzenschneider aussieht, und der elektrischen Säge die Rippen und das Schlüsselbein durchtrennen zu dürfen!
Current mood: Cheerful
Currently listening to: The Moldy Peaches - Steak for chicken (Classic!)
Das nächste Semester beginnt am 12. Oktober, gerade mal fünf Tage vor meinem Geburtstag. Es wird hart werden. Sehr hart. Die ersten beiden Wochen werden ganz im Zeichen des Themas „Blut“ stehen, gefolgt von sieben (!) Wochen Immunologie und zum Abschluss noch fünf weitere Wochen Sexualität und Endokrinologie (Hormone). Es ist das erste Mal, dass ich für etwas vorgelernt habe (Immunologie), weil es mir so schwierig erschien. Das ist aber nicht das, was mich im Moment beschäftigt.
Ich habe mich für einen einwöchigen Präparierkurs eingeschrieben, der nächste Woche, also in der letzten Ferienwoche stattfindet. Da es im Reformstudiengang keinen Bedarf für solche Kurse gibt, wie es sie im Regelstudiengang gibt, ist es für uns eine freiwillige Sache, an solchen Ferienkursen teilzunehmen. Das Thema wird lauten: „Obere Extremität“, die aus der gesamten Schulter, dem Arm und der Hand besteht. Jeder, der schon mal was von Handchirurgie gehört hat, weiß, wo da die Schwierigkeiten liegen…
Ich glaube, dass es Spaß machen wird, denn die wenigen Male, wo wir schon Unterricht an der Leiche erlauben diesen Erwartung. Doch natürlich muss jeder Teilnehmer auch das entsprechende anatomische Wissen mitbringen. Präparieren macht keinen Sinn, wenn man nicht weiß, wonach zu suchen und was zu meiden ist – und natürlich auch nicht, was überhaupt zu tun ist. Ratet mal, was ich also in den ganzen letzten drei Monaten Ferien getan habe? Jedenfalls nicht Anatomie gelernt.
Der Kurs beginnt also in drei Tagen und so prügel ich mir mittlerweile den ganzen Stoff ein. Mir ist, als würde mein Kopf jeden Moment explodieren. Das wär eigentlich in Ordnung, wär eine interessante Situation, denn über die Anatomie des Kopfes weiß ich bisher auch noch nicht viel.
Nein, im Ernst, es gibt so viele Details, die man kennen muss. Etwa all diese verdammten Bänder in der Hand – fünfzehn gibt es davon, und das ist natürlich nur die vereinfachte Version. Das ist aber bei weitem nicht alles: jede Menge Knochen, Gelenke, Muskeln, Gefäße, Nerven, Sehnenscheiden und Schleimbeutel; jede davon will beim Namen genannt, mit ihren Teilen und Punkten, ihrer Funktion und natürlich typischen Verletzungen und Krankheiten aufgeführt werden können.
Wir werden ja sehen, ob es überhaupt jemandem auffällt, dass ich nicht so gut vorbereitet bin, wie ich sollte.
PS: Ich werde im nächsten Semester Schwedisch-Unterricht nehmen! (Es ist kostenlos und von der Uni aus organisiert, man könnte sogar Aktmalerei belegen.) Stockholm hat mich mit einem derart großen Haufen an Eindrücken zurückgelassen, dass ich dieses oder spätestens nächstes Jahr definitiv zurück kommen werde. Sverige, jag älskar dig!
PPS: Nachdem ich alles über die Schulter und den Oberarm gelernt habe, wurde ich neugierig und habe online ein paar Schwdisch-Basics gelernt. Diese Seite sagt, dass es im Schwedischen keine Deklination der Substantive und keine Konjugation der Verben gibt. Schwedisch wird definitiv die Sprache mit der einfachsten Grammatik sein, die ich je gelernt habe!
Current mood: Subdued panic
Currently listening to: The XX - Infinity
Stockholm zu besuchen hieß auch, unbedingt die örtliche Filiale von Filippa K (lies: „Ko“, wie ich erst kürzlich gelernt habe). Eigentlich war es sogar einer der ersten Orte, die wir aufsuchten. Ich habe schon den grauen Mantel erwähnt, den ich dort gesehen habe, der exakt so aussah, wie ich ihn mir stets vorgestellt hatte. Jener, der 3400 Kr (340 €) kostete, jener, den ich für zu teuer hielt (was er ja auch war). Ich dachte, ich schaue mich nochmal in Berlin um, denn möglicherweise ist er hier billiger, wenigstens jedoch genauso teuer. Ich ahnte schon, dass ich falsch liegen könnte…
Und das war ich! Er kostet hier 400 €… Die Verkäuferin sagte, sie führen nur jeweils ein Exemplar je Größe und dass ich mich mit meiner Entscheidung besser schnell entscheiden sollte, weil in der Regel nicht nachbestellt werden könnte. Ich werde meine Eltern fragen, wann die nächste Auszahlung der Ausbildungsversicherung ansteht…
Current mood: Blimey!
Currently listening to: The XX - Basic Space (Astronomer Remix)


