Ich habe nicht viele Zimmerpflanzen. Ein Heidekraut, ein Kaktus, ein anderes Gewächs und sonst nur ein Topf Thymian und einen mit Basilikum. Keine Mischung, mit der man Inneneinrichtungspreise gewinnen könnte. Wohl eher eine traurige Komposition heimgärtnerischen Pragmatismus. Dennoch, so schnöd dieses Ensemble auch sein mag, sind sie doch der Spiegel meiner selbst. Geht es mir gut, so wachsen und gedeihen sie, welken und verlieren sie ihre Blätter, so lässt auch der Halter den Kopf hängen.
Mein Basilikum, der einst so kühn an der Fensterscheibe hochsch0ß, geht dieser Tage ein.
Derzeit wächst mir alles über den Kopf. Dabei ist es, so übersichtlich betrachtet, gar nicht so viel, was mich beschäftigt:
- einen Patienten für den Patientenbericht finden und diesen schreiben
- den Vortrag für das Forschungspraktikum nachrecherchieren, schreiben und halten
- die Prüfungsvorbereitung einleiten
- den Umzug planen
- den üblichen Uniaufwand betreiben: Bücher wälzen, Kapitel lesen, später wieder nachlesen
- mit der Planung für das Auslandsjahr abschließen
- Bloggen und Kunst
- die Islandplanung zum Abschluss bringen
- täglich joggen gehen und dem Axiom Mens sana in corpore sano frönen (wollen)
- dem Job nachkommen
- die WM verfolgen
- Zeit mit Freunden verbringen. Naja, derzeit eigentlich nur mit einer einzigen Freundin.
- geordnet nach aufgebrachter Zeit, von wenig bis viel.
Jetzt, wo ich diese Liste einmal schriftlich festgehalten habe, erscheint ihr Ausmaß doch erdrückender als gedacht. Eine Aufgabe für Pragmatiker, für Macher und Workaholics, doch keine Aufgabe, die ich im Handumdrehen bewältigen könnte.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich immer labiler fühle. Meine Belastbarkeit nimmt weiter ab, ich kann mich immer schlechter konzentrieren, schweife immer häufiger ab, bin unruhig, zuweilen gereizt. Ich werde vergesslich, schlafe mehr als sonst und habe einen ständigen, wachsenden Schlafbedarf. Das zehrt. Ungemein.
Wenn da das emotionale Seelenheil wäre… Das ist ohnehin eine andere Kiste.Was im Moment zählt, sind die obigen Dinge. Geordnet von höchstdringlich nach aufschiebbar, von primär nach nachrangig. Wenn alles dieser Tage so kommt, wie ich es mir nun ausmale, dann wird meine einsame Reise durch Island in der Tat die erhoffte Auszeit von Allem sein. Ich brauche einfach Abstand. Abstand von allem, was mich von außen, aber vor allen Dingen vor dem, was mich innerlich fordert.
Es wächst mir alles über den Kopf. Und mein Basilikum gar nicht mehr.
Current mood: Unkraut im Beet.
Currently listening to: Sigur Rós & Steindór Andersen - Hugann seiða svalli frá


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